Karl Grasser - Eine Hommage

Am letzten 3. Mai wurde in der Raiffeisen-Galerie von Bruneck eine Ausstellung von Holzschnitten des Vinschgauer Künstlers Karl Grasser eröffnet. Die vom Kulturverein DAS FENSTER kuratierte Ausstellung zeigt einen Querschnitt der Werke des großen Bildhauers von 1960 bis zum Jahr 2017.

Der Nährboden von Karl Grasser ist seine engste Heimat, der Vinschgau, mit seinen Menschen, seinen Kunstschätzen, seiner Tradition und seiner großartigen Landschaft. Diese Tiroler Talschaft besitzt einen enorm reichen Kulturschatz: beginnend in der karolingischen Zeit, erinnert sei nur an St. Prokolus in Naturns oder St. Benedikt in Mals, weiter in der Romanischen Epoche mit Kloster Marienburg und St. Johann in Taufers, der Gotik in Latsch und Göflan u.v.m.

Karl Grasser wurde in diese Landschaft hineingeboren und von ihr geprägt. Geboren am 23.12.1923 als der Älteste der sechs Brunnerkinder, wie die Familie am Gelserhof genannt wurde. Sehr früh schon wurde man auf sein künstlerisches Talent aufmerksam in der Schule, wie auch zuhause. Aber auch sehr früh schon wurde er mit tragischen Schicksalsschlägen konfrontiert. Mit 16 Jahren verlor er seine Mutter, daraufhin musste er als Knecht auf dem Hof seines Onkels arbeiten, damit sein Vater einen Hungrigen weniger zu verköstigen hatte. Dort lernte er den Rhythmus des bäuerlichen Lebens kennen, im Einklang mit der Natur, aber auch sein Härte. Diese Entbehrungen in jungen Jahren sollten ihn sein Leben lang prägen. Karl wuchs generell gesehen in harten Zeiten auf, gezeichnet von Not und Mangel. Mit knapp 20 Jahren wurde Karl Grasser zum Kriegsdienst eingezogen und bei den Kämpfen um Monte Cassino, schwer verwundet. Mehrere Granatsplitter durchtrennten eine Sehne des linken Armes, die Verletzungen und der Blutverlust waren so schwerwiegend, dass er nach einer Operation bereits aufgegeben worden war. Aber wie durch ein Wunder überlebte er. Nach dem Krieg besuchte er die Kunstschule in Gröden und anschließend die Kunstakademie in Wien. Mit der Rückkehr nach Kortsch im Jahr 1955 begann sein bildnerisches Schaffen. Bereits seine ersten Arbeiten zeigen seine ganz persönliche Handschrift: schlichte und auf das Wesentliche beschränkte Bildsprache und klarer Ausdruck und künstlerische Aussage. Ab 1963 bis 1980 wirkte Grasser als Werkerzieher an der Mittelschule in Schlanders. Sein Privatleben innerhalb seiner Familie, wie seine Kunst, ist von Disziplin, Pflichtbewusstsein und Kontinuität gekennzeichnet.

Karl Grasser hat als Bildhauer beeindruckende Arbeiten geschaffen und viele seiner Werke finden sich auch im öffentlichen Raum. Seine bevorzugten Themen sind dabei die Menschen in all ihren Existenzgrundlagen: dem werdenden Leben, in der Liebe, im Abschied, im Schmerz und in der gläubigen Hoffnung. Sehr oft sind seine Arbeiten ausdrucksstarke Zeugen gelebter Religiosität. Erinnert sei an den Rosenkranzweg mit 5 Bildstöcken auf dem Weg von Kortsch hinauf zur Ägidiuskirche, direkt vor seiner Haustür.

In der Brunecker Ausstellung zu seinem 95. Geburtstag, den er im Dezember feiern wird, finden sich ausschließlich Holzschnitte. Der klare Holzschnitt ist Karl Grassers wesensgemäße Technik. Es ist die einfachste und älteste Technik zur Vervielfältigung von Bildmotiven, ein Technik, die keine Kompromisse zulässt. Grasser gelingt es dabei, in einzigartig ausdruckstarker Sprache von seinem Tal und dessen Menschen zu erzählen. Weiler und Höfe, Kirchen, Felder und Wiesen, und immer wieder die Menschen mit ihrem Glück und mit ihrer Not werden fast dokumentarisch wiedergegeben.

Die Technik ist für den Künstler physisch anstrengend und es wird dabei mit dem Naturmaterial Holz gearbeitet. Dies passt ideal zu den von Grasser mit einzigartiger Meisterlichkeit dargestellten und künstlerisch verarbeiteten Motiven: die harte Arbeit in der Landwirtschaft, die bäuerlich geprägte Kulturlandschaft. Dargestellt wird aber nicht nur das Schöne, Idyllische, Verklärte an der traditionellen Tiroler Lebensart, sondern auch das einfache Leben, Freud und Leid der Menschen.

Karl Grasser hat über 400 Holzschnitte angefertigt, wovon nur einige Kostproben gezeigt werden können. In der Ausstellung stammen die ältesten Holzschnitte aus den Jahren 1960 und 1965. Sie hängen neben den Neusten aus dem Jahre 2017.

Alle ausgestellten Bilder stammen aus der Sammlung des kürzlich verstorbenen Bruneckers Josef Gasteiger, der diese Ausstellung noch vor seinem Tod geplant hatte. Mit dem Brunecker Kunstliebhaber, -sammler, -sachverständigen und Museumsgründer, war Karl Grasser in einer lebenslangen Freundschaft verbunden. Die beiden Freunde waren in den wesentlichen Dingen wesensverwandt und hatten dieselben Interessen. Der gemeinsame Gerechtigkeitssinn, das soziales Engagement, sowie die gemeinsame Naturverbundenheit, gelebte Religiosität, die Bescheidenheit und Menschlichkeit waren die Grundlage für eine jahrelange, aufrechte Freundschaft, die weit über die Kunst hinausging. Ihnen beiden ist die Ausstellung gewidmet.

Die Ausstellung kann in den Räumen der Raiffeisen-Galerie von Bruneck noch bis zum 31. Mai besichtigt werden.

Öffnungzeiten (Montag bis Freitag): 08-12.30 Uhr, 14.30-16.30 (Donnerstag 17-18.30)

 Karl Grasser und Josef Gasteiger im Juli 2017 in Kortsch

 

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